Was ist Vegan?


Es gibt etliche Gründe, warum Menschen vegan leben, darunter z.B. die gesundheitlichen Vorteile einer veganen Ernährung oder die verheerenden ökologischen Folgen einer auf Tierprodukten basierenden Lebensweise. Für uns ausschlaggebend ist jedoch der ethische Aspekt - zu dem z.B. das tägliche Leid der zu Lebensmittellieferanten und Ressourcen degradierten Tiere gehört.
Der heute vorherrschende Konkurrenzdruck in der Marktwirtschaft und das damit einhergehende Ziel, Produkte immer billiger auf den Markt zu bringen, sind u.a. der Ursprung der sogenannten Massentierhaltung. Dort, aber letztenendes auch in der Biohaltung, werden die Tiere als Ware betrachtet. Wir wollen im Folgenden knapp erläutern, wieso nicht nur für die „Fleischproduktion“, sondern auch für andere Tierprodukte Tiere leiden und sterben müssen.

Eier

„Legehennen“ werden auf engstem Raum in Käfigen gehalten oder in der sog. „Bodenhaltung“ zusammengepfercht, so dass sie sich kaum bewegen und somit ihrem instinktiven Verhalten, wie z.B. Scharren und Picken, in keinster Weise bzw. stark eingeschränkt nachkommen können. Krankheiten und Verletzungen, die bis zum Tod führen können, sind fast immer die Folge dieser extremen Haltungsformen. Nach ungefähr einem Jahr, wenn die Eierproduktion einer Henne sinkt, wird diese getötet (die natürliche Lebenserwartung ist um ein Vielfaches größer). Hier bieten auch die sog. Freiland- und die Biohaltung keine ethisch vertretbare Alternative. In jeder Form der „Eierproduktion“ werden die Jungtiere gesext, d.h. nach Geschlecht sortiert. Die männlichen Küken, für die keine Verwendung besteht, werden - meist nur einen Tag alt - erstickt, geköpft, zerstückelt und enden als Abfall. [Nur bei bestimmten “Fleischrassen” werden sowohl männliche als auch weibliche Tiere gemästet (5-6 Wochen lang), und dann ebenfalls getötet.] Wer meint, Hühner würden “von Natur aus” immer Eier legen, liegt übrigens falsch: normalerweise würden sie nur wenige Eier legen, um diese auszubrüten - wie andere Vögel auch. Unter den Bedingungen, in denen sie jedoch gehalten werden, passiert dies nie, da die Hühner gezüchtet werden, um möglichst viele Eier zu legen. Zusätzlich werden sie z.B. durch künstliche Lichzufuhr und Futterzusätze dazu angeregt.

Milch

Auch wenn Kühe oft beim Weiden gesehen werden können, trügt der Schein des „glücklichen Lebens“, denn sie fristen meist ein erbärmliches Dasein. Um den ständig Milchfluss zu gewährleisten, werden sie in eine künstliche und permanente Schwangerschaft versetzt . Um diesen Zyklus aufrecht zu erhalten, werden die Kälber kurz nach der Geburt von ihren Müttern getrennt, was für beide eine emotional schmerzhafte und stressauslösende Prozedur bedeutet. Die männlichen Kälber enden meist als Kalbsfleisch, wobei sie zuvor eine spezielle mineralstoffarme Nahrung bekommen, welche die beliebte helle Farbe des Fleisches garantiert. Die weiblichen Kälber werden mit Ersatzfutter aufgezogen und später als “Milchkühe” genutzt. Die unnatürlich hohe „Milchproduktion“ der Kühe sowie die intensiven Haltungsbedingungen führen zu Krankheiten wie Lahmheit oder geschwollenen Eutern. Wenn der Milchfluss nach etwa fünf bis sechs Jahren nachlässt, werden die Kühe getötet und durch neue ersetzt. Die natürliche Lebenserwartung einer Kuh liegt bei ca. 20 Jahren.

Fische

Fische schreien nicht, wenn sie verletzt werden und haben nur wenige Möglichkeiten ihr Befinden - zumindest für den Menschen verständlich - auszudrücken. Sie verfügen jedoch über alle nötigen physiologischen Voraussetzungen, die Lebewesen dazu befähigen Schmerzen zu empfinden. Die Angelhaken und Fischernetze, der Stress, die rasante Druckveränderung (durch welche die Tiere oftmals innerlich zerplatzen) und das Ersticken sind nur ein Teil der Qualen, welche die Fische beim Fangen erleiden. Die großen Treibnetze zerstören zudem ein empfindliches Ökosystem und reißen auch andere Tiere in den Tod. In der industriellen Fischzucht kommt ein Leben in Gefangenschaft hinzu.

Honig

Ca. 60 000 Bienen leben in einem Stock. Für 1 kg Honig müssen sie 10 Millionen Blüten besuchen. Dann wird der Honig in den Mägen der Bienen mit Enzymen vermengt. Er ist ihre natürliche Nahrung, für die sie hart arbeiten müssen. Diese natürliche Nahrung wird ihnen genommen und in der Regel durch billiges Zuckerwasser ersetzt. Dadurch sind die Bienen anfälliger für Krankheiten. Abgesehen davon werden viele von ihnen im Prozess der Honiggewinnung umgebracht. Der Honig in den Supermärkten wird oftmals von Großbetrieben aus Südamerika importiert. Leckere, tierleidfreie Alternativen sind u.a. Agavendicksaft und Ahornsirup.

Leder, Pelz, Seide, Wolle und Daunen

Obwohl es zahlreiche pflanzliche und synthetische Alternativen gibt, werden immer noch Tiere zu Zwecken der Textilproduktion (Leder, Pelz, Seide, Wolle und Daunen) gehalten, gequält und getötet. Weltweit werden jährlich Millionen von Tieren wie Nerze, Füchse und Chinchillas auf sogenannten „Pelzfarmen“ unter schlimmsten Bedingungen in kleinen Käfigen gehalten, bis ihnen ihr erstes Winterfell wächst. Dann werden sie, damit ihr Pelz nicht beschädigt wird, durch Giftspritze, Genickbruch, Vergasung oder Elektroexekution getötet. Während die allgemeine Einstellung zum Tragen von Pelz aufgrund vielfältiger Kampagnen kritischer geworden ist, hält sich immer noch der Mythos, dass Leder bei der “Fleischproduktion” sowieso anfalle und damit die Haltung und Tötung der Tiere nicht unterstützt würde. Dies ist insofern falsch, da die Vermarktung des ganzen Tierkörpers die Haltung und Ausbeutung der Tiere besonders rentabel macht. Auch die Herkunft der Seide, für deren Herstellung die höchst empfindsamen Seidenraupen vor der Metarmorphose zum Schmetterling in ihrem Kokon in kochendes Wasser geworfen werden, ist vielen nicht bekannt. Zur Gewinnung von Daunen und Federn werden Gänse bevor sie geschlachtet werden bis zu dreimal maschinell oder mit der Hand gerupft. Da dieser Vorgang bei vollem Bewusstsein der Tiere durchgeführt wird, ist er für die Tiere sehr schmerzvoll und sie ziehen sich dabei schreckliche Verletzungen zu. Auch die „Wollproduktion“ entspricht nicht dem idyllischen Bild von Schafsherden, denen einmal jährlich ihr Winterfell abgeschoren wird. Der Großteil der Wolle stammt von riesigen Schafsherden in Australien, welche mehrmals jährlich geschoren werden und dabei mit großen Temperaturunterschieden (extreme Hitze vor der Schur, extreme Kälte danach) zu kämpfen haben, was immer wieder zu Todesfällen führt. Auch wird die Schur maschinell vorgenommen, um möglichst viel Profit zu erwirtschaften, wobei den Schafen oft blutende Schnittwunden zufügt werden.

Andere Formen der Tierausbeutung

Hier ist nur ein Teil der gesamten existierenden Tierausbeutung aufgeführt. Die Jagd, der Zoo, der Zirkus, u.ä., sind ebenfalls Folgen des herrschenden Machtverhältnisses zwischen „Mensch und Tier“. Es gibt viele Formen der Unterdrückung des Menschen gegenüber seinen Mitlebewesen. Eine vegane Lebensweise ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Ökologie

Durch Massentierhaltung entsteht zudem ein ökologischer Schaden. Die intensive Futtermittelproduktion erfordert einen hohen Energieeinsatz, große Mengen an Pflanzenschutzmitteln und belegt riesige Landflächen. Außerdem werden riesige Mengen an Wasser verbraucht. [Aus Platzgründen verweisen wir hier auf die Ausführungen von Kath Clemens in ihrem Buch “Vegan” (Echo-Verlag), Kapitel 3 und 4.]

Gesundheit

Es gibt auch zahlreiche gesundheitliche Gründe für eine vegane Lebensweise. Dies können allergische Reaktionen auf tierische Nahrungsmittel sein oder Krankheiten, deren Verlauf sich mit einer Umstellung auf vegane Kost günstig beeinflussen lässt. Doch auch unabhängig davon werden Menschen aus gesundheitlichen Gründen vegan. Sie vermeiden viele der Nahrungsbestandteile, die für die heutigen Zivilisationskrankheiten ursächlich sind, haben ein statistisch geringeres Körpergewicht und einen niedrigeren Cholesterinspiegel und können vermutlich von einem besseren Schutz vor einigen Krebsarten und Herzkrankheiten profitieren. Bei älteren Veganern scheint auch das Risiko, an Osteoporose zu erkranken, geringer zu sein als bei Allesessern.